Irgendwo weit oben in den Bergen von Vouna Pahadón vor knapp 120 Jahren lebte Elisar Briel - ein Kobold mit grünen Schlangenaugen und einigen violetten Strähnen in seinem sonst schwarzen Haar – in einer alten Höhle. Elisar hatte bereits die letzten drei Jahrzehnte in dieser Höhle verbracht und war bei seinen Streifzügen durch die nahegelegegen Wälder erst kürzlich einer bekannten Koboldin über den Weg gelaufen. Zugegeben, es war nun fünf Jahre her, was für ein Feenleben eine geraume Zeit gewesen wäre, doch für einen Kobold war es nicht mehr als ein Wimpernschlag und daher eben erst kürzlich.
Die bekannte Koboldin war keine geringere als Alva Manjiri Lukrecija Pifko und sie lebten seither gemeinsam in dieser Höhle. Für Elisar hatte es nie eine schönere Frau gegeben. Ihre strahlend blauen Augen waren von dichten schwarzen Wimpern umringt und ihr violettes Haar strahlte stets im Licht der Sonne. Sie war stark und schön und intelligent – das bewunderte er an ihr. Viele Kobolde, die er bisher kennengelernt hatte, konnten zwar ihre Kräfte einsetzen, doch ansonsten wussten sie nichts über die Welt. Doch Alva war anders. Sie hatte in ihrem Leben so viel gesehen und so viel gelernt. Sie hatte ihm von ihrer Kindheit in den Territorialkriegen erzählt, von Caius dem Schrecklichen und den ersten Koboldverfolgungen vor 280 Jahren.
„Drei mal“, erklärte sie und dachte noch einmal darüber nach. Elisar hatte sie darum gebeten, ihm von den Kindern der Ewigkeit zu erzählen. Er hatte auf dem Höhlenboden neben einer Laterne gelegen und Alva hatte sich daraufhin rittlings auf seinen Bauch gesetzt und ihn angegrinst. „Wenn ich mich nicht täusche, haben sie seit meiner Geburt bisher drei Mal gelebt.“
„Nur drei Mal?“, hakte Elisar enttäuscht nach. Er hatte immer gedacht, die Kinder der Ewigkeit hätten unzählige Leben gehabt. Alva sah ihn aus ernsten blauen Augen an.
„Das ist kein Spaß. Sie erwachen nur, wenn schreckliche Katastrophen bevorstehen“, erwiderte sie. „Wir sollten froh sein, dass es nur drei waren.“
„Du hast Recht“, bemerkte Elisar und zog Alva zu sich hinab. Ein verschmitztes Grinsen erschien auf ihren rosa Lippen. „Ich bin froh, dass es nicht mehr als drei Katastrophen waren, die du durchleben musstest, Jiri.“ Er gab ihr einen Kuss und als er sie losließ, lachte sie.
„Du sollst mich doch nicht so nennen! Ich versuche, diese Namen zu schützen“, bemängelte sie, doch sie nahm es ihm nicht wirklich übel. So lange hatte sie nach Glück gesucht und für den Moment hatte sie es gefunden.
„Es ist doch niemand hier“, erwiderte er und holte einen kleinen Stoffbeutel hervor. Alvas Augen wurden riesig.
„Du hast sie bekommen?“, fragte sie und riss ihm den kleinen Stoffbeutel aufgeregt aus der Hand. In dem Beutel befanden sich die Juwelen, die sie für einen Auftrag benötigten.
„Bekommen, gestohlen – was macht das schon für einen Unterschied“, witzelte Elisar.
„El! Du hättest die Trolle zumindest erst fragen können“, kritisierte Alva.
„Und dann hätte ich mir den Weg zurück freikämpfen müssen und dabei vielleicht jemanden verletzt oder Schlimmeres“, erklärte Elisar und Alva seufzte. Wenn sie konnte, dann stahl sie nicht. Doch sie folgte dem Kodex um jeden Preis und wenn die Alternative war, dass jemand starb, dann stahl sie lieber. Ein Leben war ein Leben und niemand hatte das Recht, eines zu nehmen. Elisar nahm es damit nicht immer ganz so ernst, aber er schätzte Alva sehr dafür, dass sie dem Kodex so streng folgte.
„Aber ich war trotzdem bei den Trollen“, begann Elisar und spürte, wie sein Puls in die Höhe schoss. Er hatte Alva diese Frage schon lange stellen wollen und nun war es so weit.
„Wofür? Wir brauchen sonst nichts von ihnen“, erwiderte Alva und befestigte den kleinen Stoffbeutel an ihrem Gürtel. Unterdessen holte Elisar einen kleinen silbernen Ring hervor. Die Trolle hatten ihn gemacht. Er war blank poliert worden und kleine Steine in der Farbe von Alvas Augen waren eingesetzt worden. Innen befand sich eine kleine Gravur. Als Alva ihn wieder ansah, blieb ihr der Mund offen stehen.
„Ich wollte dich das schon lange fragen, Jiri“, sprach er. „Ich liebe dich – dein strahlendes Lächeln, dein unglaubliches Wissen von der Anderswelt und dass du so genau dem Kodex folgst, auch wenn es manchmal schwierig ist. Ich liebe dich, Jiri und ich möchte den Rest meines hoffentlich langen Lebens mit dir verbringen. Willst du mich heiraten, wenn wir diesen Auftrag hinter uns gebracht haben und wieder zurück in der Anderswelt sind?“ Zunächst erwiderte Alva rein gar nichts. Sie sah ihn einfach nur an und ihr gingen tausend Dinge durch den Kopf. Sie fürchtete sich davor, Elisar zu verlieren. Doch sie liebte ihn und sie wünschte sich nichts sehnlicher, als genau das, was er ihr gerade anbot – ihr Leben mit ihm zu verbringen.
„Ja, sehr gern“, antwortete sie mit einem breiten Lächeln und küsste ihn.

Die nächsten Tage verliefen genau nach Plan. Elisar und Alva packten ihre Habseligkeiten und ein paar Vorräte zusammen und verließen die Höhle in den Bergen Vouna Pahadóns. Sie reisten zum Weltenportal und verließen es wieder in Dresden im Königreich Sachsen. Von hier aus nahmen sie eine Kutsche – einen motorisierten Wagen konnten sie sich nicht leisten - ins Königreich Bayern, wo sie zwei Tage rasteten und ihre Vorräte auffüllten. Sie bezahlten den Kutscher mit Geld von ihrem letzten Auftrag. Schließlich nahmen sie eine zweite Kutsche bis an die Grenze Frankreichs, von wo aus sie zu Fuß weiterliefen. Die Tage waren stürmisch, aber das machte den beiden Kobolden nichts. Sie hatten einander, um sich zu wärmen, und sie wussten sich auch sonst zu helfen.
„Linn pati sa leténite“, murmelte Alva, während sie die kleine Stadt erreichten, in die ihr Auftrag sie führen sollte. Uns gehört die Ewigkeit. Es waren die Worte der Inschrift des Ringes, welche Elisar für Alva ausgesucht hatte.
„Das ist zumindest meine Hoffnung“, antwortete er und schenkte ihr ein Lächeln. Sie lächelte ebenfalls und ließ die Kette, an welcher der Ring hing, damit sie ihn nicht verlor, wieder verschwinden.
„Was wird uns da drin wohl erwarten?“, rätselte sie, als sie vor dem Juweliergeschäft Halt machten. Sie hatten schon die verschiedensten Sachen erlebt, wenn sie versuchten, einen Auftrag abzuschließen. Manchmal waren die Menschen ganz freundlich gewesen und hatten sie anschließend sogar noch auf einen Tee und eine warme Mahlzeit eingeladen. Und manchmal hatte man versucht, sie übers Ohr zu hauen, ihnen zu wenig bezahlt oder ihnen vorgeworfen, die Edelsteine oder Perlen wären nicht echt gewesen. Es hatte auch Aufträge gegeben, bei denen die Auftraggeber eine Gruppe bewaffneter Menschen bei sich gehabt hatten, um die Kobolde gar nicht bezahlen zu müssen, und das hatte jedes Mal unschön geendet. Doch am Ende liefen die meisten Aufträge friedlich ab und das war es wohl, was die beiden weitermachen ließ. Das, und die Tatsache, dass sie auf diese Weise so viele Flecken der Erde sehen konnten.
Elisar zuckte mit den Schultern und trat ein. Das Läuten einer kleinen Glocke kündigte ihr Eintreten an. Er sah sich um. Der kleine Raum war voll von Schränken mit Glastüren, hinter denen glänzende Schmuckstücke aufbewahrt wurden. Sie waren ganz hübsch, aber lange nicht so filigran, wie jene, welche in der Anderswelt hergestellt wurden. Hier und da hing ein Spiegel, damit die Kunden des Juweliers sich mit dem gewählten Schmuckstück betrachten konnten und in der Mitte des Raumes stand eine große Theke. Dahinter stand ein Mann mittleren Alters. Sein brauner Bart war an einigen Stellen bereits mit grauen Stellen durchsetzt und auf seiner Nase thronte das, was die Menschen als Brille bezeichneten.
„Wie kann ich Ihnen helfen?“, fragte der Mann freundlich. Elisar warf Alva einen Blick zu, woraufhin diese sich zu ihm an die Theke gesellte. Elisar stellte sich so vor sie, dass die Kunden des Juweliers sie nicht sehen konnten.
„Wir haben eine Lieferung für Sie“, erklärte Alva leise. Dann sah sie den Mann eingehend an und offenbarte für einen kurzen Moment ihre Schlangenaugen, damit der Mann wusste, worum es sich handelte.
„Natürlich!“, erwiderte er sofort und rief nach seinem Sohn, damit er den Laden weiterführen konnte. „Folgt mir bitte in die Arbeitsräume.“ Die beiden Kobolde folgten dem Menschen in seine Arbeitsräume und zeigten ihm dort die Edelsteine. Er war hellauf begeistert und behauptete sogar, nie zuvor solch reines Material gesehen zu haben. Natürlich war beiden Kobolden klar, dass dies eine Lüge war, denn der Juwelier war ein häufiger Kunde. Und nicht nur das. Er war auch Kontaktmann bei den Menschen und übermittelte regelmäßig neue Aufträge an die Kobolde.
So auch an diesem Tag. Er hatte drei neue Aufträge für die Koboldgemeinde. Zwei von ihnen waren einfache Edelsteinlieferungen, wie diese für den Juwelier. Doch eine war nicht mehr als eine kryptische Wegbeschreibung.
„Ich war nie in England“, bemerkte Alva, als sie auf dem Weg aus der Stadt die Aufträge durchsah.
„Dann sollten wir uns das mal ansehen. Schaden kann es ja nicht“, antwortete Elisar und sie entschlossen sich, noch nicht nach Hause zu reisen, sondern stattdessen der kryptischen Wegbeschreibung zu folgen.

Und so führte die Wegbeschreibung Elisar Briel und Alva Pifko nach England. Es wurde ein Haus zwei Tagesmärsche außerhalb von London beschrieben. Elisar und Alva waren guter Dinge und begeistert von London. Die Stadt war gigantisch und unterschied sich sogar noch mehr von der Anderswelt, als die meisten Städte, die sie zuvor besucht hatten. Sie blieben ein paar Tage und erkundeten die Stadt, bevor sie weiter der Wegbeschreibung folgten. Doch was sie dabei nicht bemerkten, sollte ihnen später noch große Probleme machen. Bereits bei ihrer Ankunft in London wurden sie von geheimnisvollen Gestalten aus den Schatten heraus beobachtet.
„Ich denke, wir sollten auf alles vorbereitet sein“, bemerkte Alva, als sie einen Tag außerhalb Londons rasteten.
„Ach, mach dir mal keine Sorgen. Was soll denn groß passieren?“, fragte Elisar lachend und reichte Alva ein Stück Brot, das sie in London gekauft hatten.
„Das weiß ich nicht“, gestand sie und schnitt das Brot mit einem ihrer Messer in zwei Hälften, bevor sie eine der Hälften an Elisar zurückgab. „Ich frage mich bloß, warum nicht mehr, als eine Wegbeschreibung hinterlassen wurde. Wir haben nichts, das wir dem Kunden anbieten könnten.“
„Vielleicht ist es einfach kein Lieferantenauftrag“, behauptete Elisar unbekümmert. Alva nickte und sie aßen gemeinsam das Brot und einige Früchte, bevor sie sich schlafen legten. Doch Alvas mulmiges Gefühl blieb.
Am nächsten Tag errichten sie das beschriebene Haus kurz vor Sonnenuntergang.
„Ist es das?“, fragte Elisar. Alva holte die Wegbeschreibung hervor und las die Beschreibung des Hauses noch einmal vor.
„Ein einzelnes weiß gestrichenes Haus befindet sich zwei Tage nördlich von London. Gibt es sonst nichts auf weiter Flur, steht es zwischen zwei großen Winterlinden. Für weitere Informationen folgt diesem Weg. Ich denke, das ist es“, erklärte Alva und betrachtete das weiß gestrichene Haus, das allein zwischen zwei großen Winterlinden stand. Sie packte die Wegbeschreibung wieder weg und legte eine Hand auf ihren Dolch.
„Den wirst du nicht brauchen, Jiri“, meinte Elisar und ging geradewegs auf das Haus zu.
Alva wollte schon widersprechen, da klopfte er bereits an der Haustür. Sie warteten, doch niemand öffnete. Elisar klopfte erneut, doch niemand öffnete. Schließlich hämmerte Alva mit der Faust gegen die hölzerne Tür und sie ging einfach auf. Stirnrunzelnd sah Alva zu Elisar. Dieser zuckte nur mir den Schultern und trat ein.
„Hallo? Ist da jemand?“, rief er in das Haus hinein. Es kam keine Reaktion. Sie sahen sich kurz in dem Haus um. Es war niemand da.
„Scheint so, als würde ich den wirklich nicht brauchen“, bemerkte Alva und deutete auf ihren Dolch.
„Ehrlich gesagt bin ich da nicht so sicher“, widersprach Elisar.
Er stand an einem der Fenster und sah nach draußen, wo Männer und Frauen in schwarzer Kleidung und gut bewaffnet aus allen Richtungen auf das Haus zuliefen. Elisar und Alva wussten damals nicht, um wen es sich bei dieser Gruppe handelte, doch sie sollten bald herausfinden, dass der Auftrag eine Falle von SCIO gewesen war.

„Was meinst du, was sie von uns wollen?“, fragte Elisar und trat von dem Fenster zurück. Alva spähte einen Moment hinaus und sah ihn dann an.
„Unser Leben, nehme ich an. Du weißt doch, wie die Menschen sind“, erklärte sie. Elisar nickte. Jene, für die die Kobolde Aufträge erfüllten, waren die seltene Ausnahme. Und offenbar war auch darauf nun kein Verlass mehr.
„Was machen wir jetzt?“, hakte er nach. Alva zuckte mit den Schultern und lief in eines der anderen Zimmer. Sie wollte aus einem anderen Fenster schauen, um zu überprüfen, ob sie tatsächlich umzingelt waren.
„Wir warten“, erklärte sie schließlich seufzend. „Und wir überlegen uns einen Plan.“
Also warteten sie. Elisar schlug vor, dass sie sich nachts rausschleichen könnten, aber die Männer vor dem Haus waren gut organisiert und wechselten sich in der Nacht mit ihrer Wache ab. Schließlich entschieden sie sich, zu kämpfen. Sie mochten nur zu zweit gegen mindestens ein Dutzend sein, aber sie hatten Alva und die Magie der Kobolde. Alva war gut in der Täuschung und wenn sie Glück hatten, würde das ausreichen. Die Nacht war unruhig und sie liefen immer in andere Zimmer, um die Situation vor dem Haus zu überprüfen. Doch die Männer blieben vor dem Haus stehen – seelenruhig und ohne zu ermüden.
Am nächsten Morgen dann, trat einer der Männer vor und begann zu sprechen.
„Kommt raus und zeigt euch! Wir wissen, dass ihr da drin seid. Agus ham fhios, kya unake ho“, sprach er und die beiden Kobolde sahen sich verwundert an. Und wir wissen, was ihr seid.
Die Worte, die er sprach waren Teangan. Es war lange bekannt gewesen, dass es viele Menschen gab, die über die Anderswelt und ihre Bewohner Bescheid wussten, doch dass sie ihre Sprache sprachen, war neu. Und es war sicher kein gutes Zeichen. Wie viel wussten sie noch? Wussten sie, wie man die Anderswelt erreichen konnte?
„Mach dich bereit zu kämpfen, El“, meinte Alva und schloss die Augen für einen Illusionszauber. Zu Elisars Zeit war Alva Pifko zwar bereits die stärkste Koboldin, was die Koboldmagie anging, aber sie hatte dennoch ihre Schwächen. Die Zahl der Leute, die sie gleichzeitig täuschen konnte, war begrenzt und sie konnte ihre Magie nicht auf andere anwenden. Auf Elisar konnte sie keine Illusion anwenden, wodurch er den Angreifern ungeschützt ausgesetzt sein würde.
Elisar öffnete die Tür des Hauses und sie traten hinaus. Er wusste nicht, was Alva für eine Illusion nutzte, denn sie war für ihn nicht sichtbar. Der Mann, der zuvor mit ihnen gesprochen hatte, trug eine große Narbe in seinem Gesicht. Er grinste, nun dass sie aus dem Haus getreten waren.
„Erbärmlich. Versteckt euch hinter eurer Magie“, sprach der Mann und spuckte angewidert auf den Boden. Dann sprach er zu seinen Männern: „Kämpft nicht gegen sie, ihr würdet nur eure Kraft vergeuden. Bringt mir ihn.“
Und mit diesen Worten brach ein Kampf los. Die Männer und Frauen in Schwarz kamen zu Elisar gerannt und zückten ihre Waffen. Elisar hatte keine andere Wahl, als gegen sie zu kämpfen, und Alva konnte nur tatenlos zusehen. Ihre Magie war durchschaut und würde sie nun kämpfen, würde keiner der beiden den Menschen entkommen. Doch Alva liebte Elisar und sie konnte es nicht mit ansehen. Also kämpfte sie mit ihm gegen die Menschen und machte ihre Illusion dadurch nutzlos. Sie gaben alles und legten all ihre Kraft in ihren Kampf, aber am Ende war es doch nicht genug.

Die Menschen waren in der Überzahl und sie waren gut ausgebildete Kämpfer. Ihr Hass trieb sie an und machte sie stärker. Sie überrannten unsere beiden Kobolde, schlugen Alva K.O. und packten Elisar. Er versuchte, sich zu wehren, sich loszureißen und zu Alva zurückzugelangen, doch die Menschen hatten ihn fest im Griff. Sie brachten ihn zu ihrem Anführer – dem Mann mit der Narbe im Gesicht – und warfen ihn auf die Knie.
„Wer seid ihr?“, fragte Elisar grimmig. Der Mann grinste ein abscheuliches Grinsen.
„Wir sind SCIO. Eine Organisation zur Reinigung der Welt von ihren schlimmsten Fehlern. Fehlern wie euch“, erklärte er und Elisar musste schlucken. Ihm war inzwischen klar, dass er diesen Tag nicht überleben würde, aber dass diese Menschen so grausam waren, hätte er sich in seinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können.
„Ihr bezeichnet uns als Fehler, ohne uns zu kennen. Begeht nicht ihr damit einen viel größeren Fehler?“, fragte Elisar und der Mann lachte.
„Ich brauche dich nicht zu kennen. Ihr seid alle gleich“, behauptete der Mann und zog ein Messer hervor.
Unterdessen erwachte Alva aus der Bewusstlosigkeit. Die Menschen hatten sie liegen gelassen, wo sie gefallen war und sich nicht weiter für sie interessiert. Sie setzte sich auf, blickte sich um und sah Elisar auf den Knien mit einem Messer an der Kehle. Er bettelte nicht um sein Leben, denn der Mann hätte es ohnehin nicht verschont. Stattdessen sah Elisar zu Alva hinüber, der die Tränen in die Augen schossen. Sie hatten ein schönes Leben vor sich gehabt. Sie hätten zusammen alt werden können, Kinder bekommen und sich irgendwo ein Haus bauen können. Doch stattdessen waren sie einer rätselhaften Auftragsbeschreibung gefolgt, ohne zu wissen, wohin sie das führen würde. Wären sie doch nur nie nach England gegangen. Alva stand auf und machte ein paar Schritte auf Elisar zu, doch das zog nur die Aufmerksamkeit der Menschen zurück auf sie.
Elisar schüttelte den Kopf und bat: „Lauf weg, Jiri. Lauf und bring dich in Sicherheit.“
Alva warf einen Blick auf die Menschen, welche um Elisar herum standen. Sie beobachteten Alva genau und waren bereit, zuzuschlagen. Alva wollte Elisar nicht zurücklassen, doch sie hatte keine Wahl. Sie konnte ihn nicht retten, denn im nächsten Moment schnitt der Mann Elisar die Kehle durch. Ein verzweifeltes Schluchzen entfuhr Alva, bevor sie zurück ins Haus rannte und einen neuen Illusionszauber sprach. Zuvor hatte sie den Angreifern eine Vielzahl von sich selbst gezeigt, doch dieses Mal versteckte sie sich vor ihnen.
„Komm raus und zeig dich!“, rief einer der Männer von draußen.
Alva folgte seiner Aufforderung und verließ das Haus wieder durch die Eingangstür, doch niemand nahm sie wahr. In ihren Augen war sie unsichtbar. Sie lief geradewegs an ihnen vorbei, bis hin zu Elisar, der regungslos am Boden lag, während die Menschen weiterhin das leere Haus anbrüllten. Sie kniete sich neben Elisar und Tränen liefen über ihre Wange. Sie hatte ihn wirklich geliebt, doch nun war er tot. Sie beugte sich zu ihm hinunter und gab ihm einen letzten Kuss, bevor sie aufstand und ging.
Alva verließ die Anderswelt nie wieder für einen Auftrag für die Menschen, denn sie hatte gelernt, wie gefährlich es war. Sie versuchte, andere zu warnen, doch nur die wenigsten hörten auf sie. Sie behielt Elisar immer in Erinnerung und hielt den Ring, den er ihr gegeben hatte, in Ehren, doch für die meisten anderen, war er ein Niemand gewesen und geriet schnell in Vergessenheit.

match-of-survival elisar briel kurzgeschichte


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